Drachenbäume auf den Kanaren – von La Palma bis Icod de los Vinos

Keine andere Pflanze prägt die Landschaft der kanarischen Inseln so sehr wie die Drachenbäume, auf Spanisch meist kurz Dragos genannt. Nicht umsonst steht der Drachenbaum als das Natursymbol von Teneriffa. Doch stammesgeschichtlich gesehen handelt es sich bei dem Drachenbaum gar nicht um einen Baum, stattdessen zählt er zu den Spargelgewächsen. Abgesehen von den kanarischen Inseln wächst er auch auf Madeira, in Marokko sowie vereinzelt auf den kapverdischen Inseln.

Der Kanarische Drachenbaum

Das imposante Erscheinungsbild der Drachenbäume hat die Menscheit auf den Kanaren seit jeher beeindruckt. So wurde ein besonders eindrucksvolles Exemplar von den Guanches, den Ureinwohnern Teneriffas, gar als Heiligtum verehrt. Sie höhlten seinen Stamm aus, um darin einen kleinen Altarraum zu errichten. Dieser Baum, welcher selbst Alexander von Humboldt bei dessen Reisen in seinen Bann gezogen hatte, fiel im Jahre 1868 einem Sturm zum Opfer.

In den ersten etwa 10 Jahren seines Lebenszyklus besteht der Drago aus einem einzelnen Stamm. Mit der ersten Blüte beginnt die Pflanze allerdings damit sich zu verzweigen, was zu dem typischen Erscheinungsbild älterer Exemplare mit großer, weitläufiger Krone führt, welche ein wenig an einen Regenschirm erinnert. Die Größten von ihnen erreichen eine Wuchshöhe von etwa 20 Metern.

Drachenbäume auf La Palma

Drachenblut

Doch wie kamen die Drachenbäume überhaupt zu ihrem anmutig klingenden Namen? Trennt man von einem Drachenbaum Blätter oder Rinde ab, stößt er ein rötliches Harz aus, welches als Drachenblut bekannt ist. Dieses wurde in der Antike als Allheilmittel angesehen und für allerlei Zwecke verwendet. So wurde es bei Knochenbrüchen, bei Fieber, Hautauschlägen und zur Mumifizierung von Leichen verwendet. Im 18. Jahrhundert war es darüber hinaus als Lackierung bei italienischen Geigenbauern begehrt, um den Instrumenten einen rötlichen Schimmer zu verleihen.

Die gewaltige Nachfrage nach seinem Harz wurde dem Drachenbaum beinahe zum Verhängnis. So wurden die Bäume in großem Ausmaß gefällt um an die kostbare Substanz zu gelangen. Schlussendlich waren die kanarischen Drachenbäume sogar vom Aussterben bedroht und gelten noch heute als gefährdet.

Drago Milenario in Icod de los Vinos

Drago Milenario

Der bekannteste Drachenbaum ist zweifelsohne der Drago Milenario in Icod de los Vinos auf Teneriffa, der „tausendjährige Drago“. Da Drachenbäume über keine Jahresringe verfügen, kann man über sein tatsächliches Alter jedoch nur spekulieren. Schätzungen reichen von 350 bis 2500 Jahren. Der Drago Milenario ist etwa 18 Meter hoch und verfügt an seinem Stamm über einen Umfang von 20 Metern. Mit seinen über 300 Hauptzweigen beeindruckt er Touristen und Einheimische zugleich und gilt als eine der Hauptattraktionen der Insel. 1917 wurde der Drago Milenario zum nationalen Denkmal ernannt und unter anderem auf dem 1000-Peseten-Schein abgebildet.

Wer den Drago Milenario aus der Nähe betrachten will, kann dies im Parque del Drago tun. Dieser Park wurde von der Universität Teneriffas, der Universidad de la Laguna, entworfen und bietet auf einer Gesamtfläche von drei Hektar eine Austellung über die typisch kanarische Flora. Der Eintritt in den Park kostet ca. 5 Euro.

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