Eindrucksvolle Lavalandschaften im kaum entdeckten Nordwesen von El Hierro

Charco Azul – die blaue Grotte von El Hierro
Heute sind wir einmal ausnahmsweise nicht nur zu Fuß, sondern auch ein wenig mit dem Fahrzeug unterwegs, um dabei die etwas abgelegenen, aber nichtsdestoweniger sehenswerten Ecken im Nordwesten der kleinen Insel El Hierro zu entdecken.

Zunächst geht es an die Steilküste zur „blauen Grotte“ (Charco Azul). Wer diese Tour jedoch lieber gesondert als Wanderung gehen möchte, kann das auf den gut ausgezeichneten Wanderwegen PR-EH 2.3 und PR-EH 2.1 von Frontera, Ortsteil Tigaday aus tun. Er hat dann ungefähr 300 Höhenmeter im Ab- und Aufstieg zu bewältigen und sollte knappe drei Stunden Zeit für den Hin- und Rückweg einplanen.

Lava, Felsen und einsame Buchten

Wer mit dem Fahrzeug unterwegs ist, der kommt von Frontera auf der Landstraße HI-550 und biegt kurz hinter dem Ortsteil Los Llanillos rechts auf eine ausgeschilderte Straße zum Charco Azul ab. Doch ganz ohne „Wandern“ gibt es die Grotte nicht zu sehen. Vom Parkplatz an der Steilküste, den wir kurze Zeit spät erreichen, geht es einige Stufen auf einer hübsch angelegten Treppe an der Steilküste hinunter.

Charco Azul

Unten erwartet uns die bekannte und etwas düstere Felsgrotte Charco Azul. Wir können in die Höhle hinein gehen und um uns herum die großen Wellen der Meeresbrandung gegen die Felsen schlagen hören. Gleich nebenan gibt es im Meeresschwimmbecken bei ruhiger See die erste gute  Bademöglichkeit des Tages.

Pozo de Salud – heilendes Wasser aus warmen Quellen

Nachdem wir die Treppen wieder erklommen haben, kehren wir mit dem Fahrzeug zur Hauptstraße HI-550 zurück und biegen nun rechts Richtung Westen ab. Die HI-550 geht bei der Weiterfahrt in die HI-551 über, die uns entlang der Küste mit Blick auf den Atlantik auf der einen Seite und Blick auf die Berge auf der anderen Seite, Richtung Pozo de Salud weiterführt.
Pozo de Salud erreichen wir nach ca. ¼ Stunden Autofahrt oder mit der Buslinie 4. Es lohnt sich hier zu halten und sich den Ort rund um die heilenden Wasserquellen einmal etwas genauer zu betrachten. Nicht nur, dass es an dieser Stelle – wie an vielen Orten der kleinen Insel – freies W-Lan gibt. Ein einsam an der Küste gelegenes Wellnesshotel lädt zum Kururlaub ein. Fischer stehen am Meeresrand und warten auf den Fang des Tages, während die hübsch angelegten Wege rund um die Hotelanlage zu einem kleinen Spaziergang einladen.

Der Ort Pozo de Salud weist eine lange Tradition auf. Da die Bevölkerung von El Hierro in den vergangenen Jahrhunderten an Dürren und Wasserknappheit litt, wurden Anfang des 18. Jahrhunderts Trinkwasserbrunnen gebohrt. Zunächst wurde das Wasser nur als reines Trinkwasser gebraucht. Doch dann stellte sich plötzlich heraus, dass die Menschen, die dieses Wasser tranken, „gesünder“ wurden. Die Kunde von dem Heilwasser bei Sabinosa verbreitete sich schnell über die Inseln und im 19. Jahrhundert wurde das Wasser sogar nach Südamerika exportiert. Im 20. Jahrhundert ließ der Ingenieur Vallabriga das Heilwasser unter dem Namen „Agua Sabinosa“ schützen und ließ es in Flaschen in Apotheken verkaufen.

Er baute Pozo de Salud zu einem Ort um, an dem Kranke und auf Heilung hoffende Menschen, Heilbäder nehmen konnten. Diese Tradition hielt sich bis in das 20. Jahrhundert, als in Pozo de Salud in den 90er Jahren ein modernes Hotel gebaut wurde. Doch die Möglichkeit dort traditionelle Bäder zu nehmen, besteht weiterhin.

Punta de la Dehesa – Rundgang zum Arco de la Tosca

Von Pozo de Salud aus Richtung Westen sind es nur noch knappe zwei Kilometer zum Start unseres kleines Rundganges um die Punta de La Dehesa. Wer mag kann mit dem Wagen auf der Landstraße HI-551 weiterfahren. Doch auch zu Fuß lässt es sich an der kaum befahrenen Straße recht gut gehen.

Playa Arenas Blancas

An der Stelle, an der die westlich vorgelagerte Punta de La Dehesa beginnt, finden wir einen Sandparkplatz und Hinweisschilder für die kleine Rundwanderung um die Punta vor. Wir folgen dem gut ausgeschilderten Wanderweg SL-EH 2, der uns zunächst ein wenig Richtung Osten nach rechts an die Küste führt. Wir gelangen an die Playa Arenas Blancas, deren „weißer Sand“ aus zerriebenen Muschelschalen besteht.

Punta de La Dehesa

Links von dem Strand beginnt der mit Steinen eingefasste Küstenwanderweg, der uns nun immer entlang der Küste über die dunklen Lavafelsen führt. Es geht nur wenig auf und ab. Dabei bieten sich uns wunderbare Ausblicke auf die wilde See mit ihren markanten Felsen und Felstoren. Der Weg läuft immer parallel entlang zu den steilen und beeindruckenden Klippen. Am Boden die Naturmuster, die die Lava in die Landschaft gezaubert hat, zu bewundern.

Lavamuster

Am Ende des Küstenpfades gelangen wir auf eine kleine Aussichtsplattform. Von hier können wir auf das größte Felstor der Insel, den Arco de la Tosca blicken.

Arco de la Tosca – das größte Felstor der Insel

Danach gehen wir auf einer breiten Piste zurück auf die Straße. Wir biegen links auf die befahrene Straße ein. Nach kurzer Zeit passieren wir einige recht verfallene Ruinenhäuser, die links am Wegesrand liegen. Eines davon ist mit einem kleinen Schild als öffentliche Galerie (Galerie Alumbrado Publico) ausgewiesen. Unbekannte Künstler haben in dem unbewohnten Haus Kunstexponate aus „Strandgut“ gefertigt. Eine kleine Abwechslung in dieser ansonsten von Menschen so verlassenen Gegend.

Galerie Alumbrado Publico

Kurz danach ist unsere 4 Kilometer lange Rundwanderung am Parkplatz beendet.

Playa del Verodal – einsamer Sandstrand mit großem Picknickplatz

Ein weiterer Ort, der sich in der Nähe der Punta de La Dehesa anzusehen lohnt, ist der Playa del Verodal. Zu Fuß oder mit dem Wagen erreichen wir den großen Sandstrand mit Picknickplatz, indem wir der Straße, die sich jetzt HI-500 nennt, weiter südlich folgen. Ungefähr 3 Kilometer von unserem letzten Parkplatz an der Punta oder 1,5 Kilometer rechts nachdem wir von dem Rundgang wieder auf die Straße gelangt sind, biegt rechts ein Pistenweg von der Straße ab. Diesem folgen wir ungefähr einen Kilometer. Danach sind wir am einsamen großen Sandstrand Playa del Verodal.

Playa del Verodal

Baden ist allerdings wegen der starken Strömung und der mehr als gewaltigen Wellen an dieser Stelle von El Hierro kaum möglich. Auch hat es in der näheren Umgebung der Strandanlage mehrere Steinschläge gegeben, so dass der Aufenthalt hier (Stand April 2014) nur an bestimmten Stellen gefahrlos möglich ist. Doch einen Blick von der Steilküste herab auf die gewaltigen Wellen und die beeindruckende Küstenlinie ist weiterhin gefahrlos möglich.

Pozo Galeria Los Padrones von El Hierro

Auf unserer Rückfahrt durch Frontera (oder auf der Hinfahrt) finden wir bei Las Puntas auf der linken (oder rechten) Straßenseite ein Haus, vor dem zwei alte Loren stehen. An dem Haus ist ein öffentlicher Wasserhahn angebracht, aus dem sich jeder Einwohner und Tourist auf El Hierro frisches Trinkwasser entnehmen kann. Das Wasser kommt aus dem Pozo der Galeria Los Padrones. Der Brunnen ist 52 Meter tief und die dazugehörige Galerie im Berg 1100 Meter lang.

Pozo los Padrones

Diese Wasserquelle ist seit 1962 in Betrieb. Bis zum Jahr 1992 versorgte der Brunnen ausschließlich einen privaten Eigentümer. Dann erwarb die Lokalregierung El Hierros die Anlage und baute ihn zu einem Galeriebrunnen um. Die Wassergewinnungsanlage ist heute die modernste und produktivste ihrer Art auf den kanarischen Inseln. So kann sich jeder Teilnehmer unserer heutigen Tour, auf der wir nun so viel Wasser an Stränden und in felsigen Höhlen gesehen haben, am Ende noch kostenlos mit frischem Trinkwasser versorgen.
Informationen:

Höhenunterschied:
Heute bewegen wir uns in Küstennähe und müssen ausnahmsweise so gut wie keine Höhenmeter überwinden (ca. insgesamt 90 Höhenmeter durch auf und ab). Es sei denn, dass der gewählte Tourenstart in Sabinosa ist (300 Höhenmeter auf und ab).

Anforderung:
Es handelt sich um eine einfache Tour, die mit ihren knapp 4 Kilometern wirklich jeder mitmachen kann. Ein Ausflug mit dem Pkw an die Nordwestspitze der Insel zum Schauen und spazieren gehen.

Startpunkt:
Der Pkw kann ohne Probleme an den jeweiligen Strandparkplätzen von El Hierro abgestellt werden. Für die kleine Rundwanderung an der Punta de La Dehesa stellen wir das Fahrzeug auf einem Parkplatz an der Landstraße HI-500 ab (rechte Seite ca. 2 Kilometer hinter Pozo de Salud). Wer nicht mit dem Wagen anreisen möchte, kann bis Pozo de Salud mit der Buslinie 4, die zwischen Sabinosa und Frontera verkehrt, anreisen. Von dort geht es dann nur noch zu Fuß weiter.

Zeit: reine Wanderzeit für die kleine Rundwanderung um die Punta de La Dehesa: eine gute Stunde

Hinweise:
Wer ausschließlich die Rundwanderung machen möchte und nicht von Pozo de Salud oder Sabinosa und zur Playa del Verodal zu Fuß gehen möchte, der ist zwingend auf ein Fahrzeug angewiesen.

Wer ein wenig länger wandern möchte, der kann die Tour auch von dem Ort Sabinosa aus starten. Dann folgt er von Sabinosa bis Pozo de Salud dem Wanderweg PR-EH 1.3. Für diese Tour sind dann insgesamt ca. 300 Höhenmeter im Ab- und Aufstieg zu bewältigen.

Artikel von Dagmar – Siebeninseln