Golfplätze nun auch auf La Palma?

Die Garderobe der La Palma Reisenden spiegelt zu 90 % wider, warum Urlauber sich für die kleine Nachbarinsel von Teneriffa entscheiden. Mit Wanderschuhen und Outdoor-Dress steigen sie in den Flieger. So mancher würde wohl am liebsten nach Ankunft hier direkt in die Berge marschieren, so scheint es.

La Palma ist die grüne Insel der Kanaren. Trotz ihrer geringen Grundfläche von nur 708 Quadratkilometern erhebt sie sich bis in eine Höhe von über 2400 Metern. Sie ist somit topographisch gesehen ein willkommenes Urlaubsziel für Bergwanderer. Darüber hinaus wurde die gesamte Insel aufgrund ihrer einzigartigen Natur und Landschaft im Jahre 2002 von der UNESCO zum Biosphärenreservat erklärt. Ihr größtes Potential ist die vielseitige und faszinierende Natur.

Seit dem die Wirtschaftskrise auf  La Palma angekommen ist, vertraut man jedoch nicht mehr auf ihr besonderes Potenzial aus Mutter Natur. Man schielt lieber auf die großen Nachbarinseln und versucht, denen nachzueifern. So sind neben dem Bau einer Autobahn auch die Pläne für verschiedene Golfanlagen mit angrenzendem Luxus-Hotel seit einigen Jahren immer wieder ein Thema. Man meint offenbar, mit schnelleren Strassen und luxuriösen Angeboten der wirtschaftlichen Flaute begegnen zu können. Seit einigen Jahren steht auch der Bau von Golfanlagen immer wieder mal zur Debatte. Er konnte sich jedoch bis dahin nicht wirklich durchsetzen. Nun sieht es tatsächlich so aus, als würden zwei der geplanten Golfplätze für Fuencaliente und Puntagorda genehmigt werden.

Was die Golfplätze bringen sollen

Der Bürgermeister der Gemeinde Fuencaliente (Los Canarios) Gregorio Alonso ist zuversichtlich, dass der neue Flächennutzungsplan Plan General de Ordenación (PGO) schon bald verabschiedet wird. In dem auch das Projekt des Golfplatzes in seiner Gemeinde enthalten ist. Laut Alonso könne man schon 2014 mit dem Bau starten. Die Gemeinde wartet seit Jahrzehnten auf eine Genehmigung für dieses Vorhaben. Von dem man sich einen großen wirtschaftlichen Nutzen, auch im Hinblick auf die Arbeitsplatzsituation verspricht. So fänden schon während der Bauphase viele Menschen einen Arbeitsplatz bei den ausführenden Baufirmen. Auch nach Realisierung benötige man zur Bewirtschaftung von Gelände und Hotelkomplex einige Mitarbeiter. Man rechnet hier mit etwa 28-30 zu schaffenden Stellen.

Der Golfplatz im Süden soll oberhalb von Fuencaliente entstehen. Auf einer Fläche von 1,5 Mio Quadratmetern würde es dann ein Spielfeld mit 27 Löchern geben. Zudem möchte man ein dazugehöriges 5-Sterne-Hotel bauen, welches mit stolzen 530 Betten aufwarten soll. Ein langzeitiger Investor scheint nach wie vor an der Umsetzung des Projektes interessiert. Das mit einem Kostenaufwand von rund 50 Mio Euro kein kleines Unterfangen ist.

Weiterhin ist auch die Realisierung der Golfanlage in Puntagorda noch Thema. Während das Tribunal superior de Justicia de Canarias alle anderen Golfplatz-Anträge als nicht rechtens abgelehnt hat.

Kritiker der geplanten Golfplätze zweifeln am Nutzen und sehen die Natur gefährdet

Angesichts der verheerenden Erdrutsche infolge des großen Waldbrandes in der Region Fuencaliente hegen Kritiker der Golfplätze wohl berechtigte Zweifel an dem Sinn des Projektes. Zur Umsetzung der Baupläne sind gravierende Eingriffe in die Natur notwendig. So muss zunächst wohl eine gewaltige Fläche von Vegetation “gesäubert” werden, um dann anschließend eine neue Golf-Landschaft entstehen zu lassen. Dazu ist es auch notwendig, eine dicke Schicht Erde aufzutragen. Woher diese kommen soll, ist noch fraglich.

Ein weiterer Punkt ist die immense Menge  benötigten Wassers zur Bewirtschaftung des Platzes und der Nebenanlagen. Was gerade auf den Kanaren ein bedeutender Faktor ist. Zwar gilt La Palma als die grüne Insel und hat nur nach sehr trockenen Wintern mit ernster Wasserknappheit zu kämpfen. Dennoch ist der Einwand sicher berechtigt und jegliche Verschwendung zu vermeiden.

Man bezweifelt auch, ob die Nutzer der Anlage, sofern sie denn zum Golfen im Urlaub auf die Insel kommen, in irgendeiner Weise tatsächlich den  gewünschten ökonomischen  Nutzen für die Insel bringen. Vielmehr geht man davon aus, dass diese sich ausschließlich innerhalb der Anlage aufhalten würden und insofern nur die Betreiber der Golfanlage und des Hotels ihren Gewinn machen.

Die bekannteste Wanderroute auf La Palma ist die Vulkanroute. Durch den Bau des Golfplatzes würde dieser bedeutende Wanderweg unterbrochen. Dabei liegt doch gerade das größte Potenzial der Insel in ihrer faszinierenden Natur und eben diesen vielen, wunderschönen Wanderwegen.

Die Politik erhofft sich durch die Golfanlage einen wirtschaftlichen Aufschwung, doch diese Kalkulation ging schon bei der Golfanlage Buenavista auf der Nachbarinsel Teneriffa nicht auf. Hier wollte man mit dem Golfplatz 150 Arbeitsplätze schaffen. Am Ende waren es gerade 15 Menschen, die dauerhaft Arbeit fanden, weil die betuchten Golfer Teneriffa scheinbar nicht so verlockend finden.

Standort sinnvoll?

Weiterhin stellt sich die Frage, ob der Standort oberhalb von Fuencaliente sinnvoll ist, denn die Kanaren werden hauptsächlich aufgrund des milden Klimas in den Wintermonaten besucht. Im Winter hängt jedoch in diesen Höhenlagen oftmals dicker Nebel bei relativ niedrigen Temperaturen in den Bergen, weshalb die touristisch bevorzugten Gegenden eher in Küstennähe zu finden sind.

Die Organisation Asambla Ecologista setzt sich als eine der wenigen für eine nachhaltige Entwicklung auf der Insel ein. Auf ihrer Website www.asamblaecologista.org steht ein entsprechendes Formular für eine Unterschriftensammlung zum Download zur Verfügung, womit man seine Einwände vorbringen kann, sollte man sich zu dem Kreis der Gegner zählen.

Der Bürgermeister von Fuencaliente, Gregorio Alonso, meint zu den Argumenten der Golfplatz-Kritiker, dass diese nur keine Entwicklung wollen und für neue Projekte nicht offen wären. Die Einwohner Fuencalientes kritisieren ihrerseits die mangelnde Information über die Baupläne seitens der Politik.

Man darf also gespannt sein, ob dem Vorhaben wirklich zugestimmt wird, wie viele Arbeitsplätze in der Region dann tatsächlich neu geschaffen werden und ob man nebenbei auch daran denkt, die Erreichbarkeit der Insel La Palma wieder verlockender zu gestalten.

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