Ibiza – Weltkulturerbe im Mittelmeer

Wer Ibiza hört, dem kommen wohl zuerst zwei Dinge in den Kopf: Luxus und Party. Oder sogar beides kombiniert. Yachten, Villen, Champagner, Diskotheken, die man ohne Gästelistenplatz nicht einmal betreten darf. Aber wer hätte gedacht, dass Ibiza auch ganz anders kann? Die Luxusszene siedelt sich größtenteils im Süden rund um die Inselhauptstadt an. Der Rest der Insel bietet auch Ruhesuchenden, Familien, Budgeturlaubern und Naturliebhabern eine Plattform. Und damit nicht genug: Ibiza ist einer von lediglich 23 Orten weltweit, die von der UNESCO als „gemischtes Weltkulturerbe“ ausgezeichnet wurden. Das beudeutet, dass Ibiza nicht nur Weltkulturerbe, sondern auch Weltnaturerbe ist.

Seit 1999 ist Ibiza offiziell in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbe aufgenommen. Ausschlaggebend waren dabei drei Kulturdenkmäler und zwei Naturdenkmäler.

Weltkulturdenkmäler

Zum einen Dalt Vila, die Altstadt von Ibiza-Stadt (katalanisch: Eivissa). Sie liegt gut geschützt hinter den meterdicken Stadtmauern, welche eine Fläche von rund 300.000 Quadratmetern umfassen. Dalt Vila ist europaweit die besterhaltene Festungsanlage der Renaissance. Die UNESCO sieht sie als Musterbeispiel einer Stadtbefestigung, sowohl hinsichtlich des Schutzes der Stadt, als auch architektonisch.

Ein typischer Anblick in Ibiza’s Altstadt. Foto: strecosa

Das imposante Haupttor Portal de Ses Taules, gesäumt von altrömischen Statuen und zu erreichen über eine imposante Zugbrücke, befördert einen emotional direkt zurück ins Mittelalter. Bei einem Stadtrundgang durch die engen gepflasterten Gassen genießt man den Blick auf eng aneinander gedrängte, weiß getünchte Häuschen, prunkvolle Bauten und weitläufige Marktplätze. Oder, will man etwas höher hinaus, spaziert man auf der dicken Stadtmauer und genießt den Panoramablick über Ibiza und das türkisblaue Mittelmeer.

Foto: strecosa

Vom Leben und Tod der Phönizier

Etwas unheimlicher, aber nicht weniger interessant kommt das zweite Kulturdenkmal daher. Die Nekropole am Puig des Molins gilt als die größte, älteste und besterhaltene Nekropole im westlichen Mittelmeer. Nekropolen sind Begräbnisstätten des Altertums. Sie können sowohl über der Erde als simple Grabfelder, als auch unter der Erde in einem Höhlensystem angelegt sein. Die Nekropole am Puig des Molins wurde von den Phöniziern errichtet und genutzt, die ersten Siedler Ibizas.

Anders als die meisten Nekropolen ist diesePuig des Molins liegt in der Nähe der Altstadt von Ibiza-Stadt. Sie beherbergt heute noch rund 3.500 Grabkammern, wobei man davon ausgeht, dass sie früher weitaus größer gewesen ist. Große Teile der Anlage wurden von Straßenzügen oder Gebäuden überbaut. Bei einer Besichtigung des Gräberfeldes kann man in einige der Grabkammern hinabsteigen und alte Steinsärge, teils sogar noch mit skelettiertem Inhalt, ansehen. Neben der Nekropole selbst gibt es noch ein dazugehöriges Museum. Hier werden beispielsweise Grabbeigaben und archäologische Funde ausgestellt.

Eine Inschrift in der Nekropole Puig des Molins. Foto: fnogues

Während die Nekropole Aufschlüsse über den Tod zu Zeiten der Phönizier gibt, erfährt man in der Ausgrabungsstätte Sa Caleta einiges über ihre Lebzeiten. Im Süden Ibizas befindet sich die gleichnamige Bucht, wo die Phönizier vor über 2700 Jahren anlegten. Hier errichteten sie ihre erste Siedlung, bevor sie Ihren Wohnort dorthin verlegten, wo heute Ibiza-Stadt thront. Sichtbar sind heute noch Reste eines Mauersystems, das allerdings nur einen kleinen Teil der ursprünglichen Siedlung darstellt.

Weltnaturdenkmäler – Salz und Seegras

Auch auf dieser Ebene wandelt man weiterhin auf den Spuren der Phönizier. Ses Salines, die Salinen bei Sa Caleta, gelten als einzigartiges Beispiel phönizischer Wasserbaukunst. Die Rasterstruktur ist heute noch genau so erhalten, wie man sie vor rund 2600 Jahren anlegte. In den Becken wurde das Meerwasser gestaut, um es dann im Sommer verdunsten zu lassen und das „Weiße Gold“ zu „ernten“. Salz war damals ein wahnsinnig wichtiger Rohstoff. Nicht nur als Exportartikel, sondern auch als Konservierungsmittel. Heute liegt rund um die 450 Hektar großen Salinen ein Naturschutzpark, der Heimat für viele einheimische Pflanzen und Tiere ist. Besonders Vögel wie Reiher und Flamingos kann man hier in einigen Monaten beobachten. Noch heute sind die Salinen in Benutzung. Im Jahr 2016 wurden 65.000 Tonnen Salz gewonnen und größtenteils exportiert.

Blick über die Salinen. Foto: Michela Simonchini

Zwischen Ibiza und Formentera findet man zudem große Bestände des wertvollen Neptungras (Posidonia oceanica), einer bestimmten Sorte Seegras, die am Meeresgrund wächst und die Grundlage bedeutender mariner Ökosysteme darstellt. Nirgendwo anders im Mittelmeer findet man derart dichte Seegrasteppiche, weshalb auch diese zum Weltnaturerbe Ibizas beitragen. Die Teppiche dienen als natürlicher Wasserfilter und pflanzlicher Wellenbrecher, was Ibizas Küste vor dem Landverlust schützt. Zum Glück – denn wie man merkt, wäre dies wahrlich ein Verlust.

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