Kanarischer Drachenbaum – von Las Tricias bis Icod de los Vinos

Neben der Dattelpalme und der Kanarischen Kiefer gibt es keine Pflanze, welche die Landschaft der Inselgruppe so sehr prägt wie der Drachenbaum, auf Spanisch meist kurz Drago genannt. Nicht umsonst steht er seit 1991 als offizielles Natursymbol Teneriffas sowie des Ortes Icod de los Vinos. Doch stammesgeschichtlich gesehen handelt es sich beim Drachenbaum gar nicht um einen Baum, stattdessen zählt er zu den Spargelgewächsen. Abgesehen von den kanarischen Inseln wächst er auch auf Madeira, in Marokko sowie vereinzelt auf den Kapverdischen Inseln.

Wissenswertes zum Drachenbaum

Das imposante Erscheinungsbild der Drachenbäume hat die Menschheit auf den Kanaren seit jeher beeindruckt. So wurde ein besonders eindrucksvolles Exemplar von den Guanches, den Ureinwohnern Teneriffas, gar als Heiligtum verehrt. Sie höhlten seinen Stamm aus, um darin einen kleinen Altarraum zu errichten. Dieser Baum, welcher selbst Alexander von Humboldt bei dessen Reisen in seinen Bann gezogen hatte, fiel im Jahre 1868 einem Sturm zum Opfer. Er stand in La Orotava und war etwa 20 Meter hoch. Damit war er etwas höher als der berühmte Drago Milenario (mehr dazu später).

In den ersten etwa 10 Jahren seines Lebenszyklusses besteht ein Kanarischer Drachenbaum aus einem einzelnen Stamm. Mit der ersten Blüte beginnt die Pflanze allerdings damit sich zu verzweigen, was zu dem typischen Erscheinungsbild älterer Exemplare mit großer, weitläufiger Krone führt, welche ein wenig an einen Regenschirm erinnert. Wer Drachenbäume in der Natur beobachten will, kann dies insbesondere im Rahmen einer kleinen Wanderung bei Las Tricias auf La Palma tun.

Drachenbäume bei Las Tricias auf La Palma

Las Tricias – Wanderung inmitten von Drachenbäumen

Am Fuße des 1209 Meter hohen Berges Tricias befindet sich der gleichnamige Ort, welcher Ausgangspunkt für die, von wunderschönem Atlantikblick gekennzeichnete, Wanderung ist. Neben der Kirche am Ortseingang beginnt die ausgeschilderte Wanderroute zunächst mit einem Pfad an Wohnhäusern und Orangengärten vorbei. Nach einem kurzen Marsch über eine asphaltierte Straße und schließlich einen kopfsteingepflasterten Weg abwärts kann man die ersten Exemplare der Drachenbäume betrachten.

Nach etwa einer halben Stunde kommt man an einer Gofiomühle auf einem kleinen Hügel vorbei. Sobald sich der Weg verzeigt, hält man sich rechts. Hier taucht man nun buchstäblich in die Welt der Drachenbäume ein. Ziel der Wanderung sind die Cuevas de Buracas, eine Höhle, in welcher man Petroglyhpen (prähistorische Felsenkunst) der Ureinwohner La Palmas besichtigen kann. Die Wanderung dauert etwa 2 Stunden und ist knapp 4,5 km lang bei moderatem Schwierigkeitsgrad. Bei warmem Wetter empfiehlt sich eine Kopfbedeckung und Sonnenschutz.

Drachenblut

Trennt man von einem Drachenbaum Blätter oder Rinde ab, stößt er ein rötliches Harz aus, welches als Drachenblut bekannt ist. Dieses wurde in der Antike als Allheilmittel angesehen und für allerlei Zwecke verwendet. So wurde es bei Knochenbrüchen, bei Fieber, Hautausschlägen und zur Mumifizierung von Leichen verwendet. Im 18. Jahrhundert war es darüber hinaus als Lackierung bei italienischen Geigenbauern begehrt, um den Instrumenten einen rötlichen Schimmer zu verleihen.

Die gewaltige Nachfrage nach seinem Harz wurde dem Drago beinahe zum Verhängnis. So wurden die Bäume in großem Ausmaß gefällt um an die kostbare Substanz zu gelangen. Schlussendlich war der Kanarische Drachenbaum sogar vom Aussterben bedroht und gilt noch heute als gefährdet.

Drago Milenario in Icod de los Vinos – größter noch lebender Kanarischer Drachenbaum

Drago Milenario

Der bekannteste Drachenbaum ist zweifelsohne der Drago Milenario in Icod de los Vinos auf Teneriffa, der „tausendjährige Drago“. Da ein Kanarischer Drachenbaum über keine Jahresringe verfügt, kann man über sein tatsächliches Alter jedoch nur spekulieren. Schätzungen reichen von 350 bis 2500 Jahren. Der Drago Milenario ist etwa 18 Meter hoch und verfügt an seinem Stamm an der breitesten Stelle über einen Umfang von 20 Metern. Mit seinen über 300 Hauptzweigen beeindruckt er Touristen und Einheimische zugleich und gilt als eine der Hauptattraktionen der Insel. 1917 wurde der Drago Milenario zum nationalen Denkmal ernannt und unter anderem auf dem 1000-Peseten-Schein abgebildet.

Wer den Drago Milenario aus der Nähe betrachten will, kann dies im Parque del Drago tun. Dieser Park wurde von der Universität Teneriffas, der Universidad de la Laguna, entworfen und bietet auf einer Gesamtfläche von drei Hektar eine Ausstellung über die typisch kanarische Flora. Der Eintritt in den Park kostet aktuell 5 Euro.