Spanisch sprechen auf den Kanaren

Wer auf den Kanaren Urlaub macht und vorher fleißig Spanisch übt, der könnte bei Ankunft eine kleine Ernüchterung erleben. Die Kanarios haben nämlich einen ganz eigenen Akzent, der mit Schulspanisch aus Deutschland nicht unbedingt auf Anhieb zu verstehen ist.

Spanisch ist nicht gleich Spanisch

Auf den Kanaren als spanisches Staatsgebiet ist auch die Amtssprache Spanisch (Quelle: pixabay Efraimstochter)

In Spanien gibt es wie in den meisten Ländern pro Region große Unterschiede darin, wie man spricht. Die offizielle Amtssprache ist im ganzen Land das Standardspanisch aus Kastilien, auch „Castellano“ genannt. Allerdings wird in vielen Regionen ein eigener Dialekt oder sogar eine andere Sprache gesprochen. In Katalonien zum Beispiel ist Catalán die meist verbreitete Sprache, im Baskenland ist es Euskara und auf Mallorca spricht man Mallorquí.

Der Kanarische Akzent

Die Kanarischen Inseln als eine der Comunidades Autónomas des spanischen Königreiches haben als offizielle Amtssprache ebenfalls Spanisch und es gibt auch keine eigene regionale Sprache auf dem Level von Catalán. Allerdings gibt es durchaus einen regionalen Akzent, auf den man vorbereiten sein sollte. Wer an der Schule in Deutschland ein paar Jahre Spanisch hatte oder sein Spanisch in einem Sprachkurs oder per App gelernt hat, der könnte hier erstmal auf Verständigungsschwierigkeiten treffen. Das ist dann wohl so, also würde man als Nicht-Muttersprachler Deutsch lernen und dann nach Bayern kommen. Sprechen kann man das Standardspanisch allemal mit den Einheimischen und die Kanarios wissen das auch durchaus zu Schätzen. Am Verstehen könnte es jedoch ab und zu mal hapern. Im Folgenden möchte ich ein paar Besonderheiten aufzählen, die mir persönlich in meiner Zeit auf Teneriffa aufgefallen sind.

Besonderheiten in der Aussprache

Zunächst einmal sprechen die Bewohner der Kanaren oft sehr schnell und verschlucken Silben und Wortteile. Dem kann man einfach entgegenwirken, indem man darum bittet, etwas langsamer zu sprechen.

Im Allgemeinen wird der Akzent oft mit dem Spanisch verglichen, das in Südamerika gesprochen wird. Vor allem in Venezulea, Costa Rica oder Kuba. Der gelispelte „th“-Laut, der auf dem spanischen Festland verwendet wird, existiert hier zum Beispiel nicht. Jedes Z und ein C vor i oder E wird auf den Kanaren als S gesprochen. Die Kanarios neigen außerdem dazu, das S am Ende von Worten wegfallen zu lassen. Aus „Buenos días“ wird zum Beispiel „Bueno dia“ und aus „Gracias“ wird „Gracia“. Am Anfang wirkt das ungewohnt, aber da steigt man schnell dahinter.

Besonderheiten im Wortschatz

„Guagua“ ist die kanarische Bezeichnung für Bus

Es gibt auch einige eigenen Wörter. Obwohl von den Ureinwohnern der Kanaren, den Guanchen, keine mehr übrig sind, geht man davon aus, dass einige Wörter noch von ihnen übernommen wurden. Dabei handelt es sich vor allem um Ortsnamen oder Bezeichnungen für Pflanzen oder Nahrungsmittel wie Gofio. Auch Wörter, die mit „Gua“ (gesprochen „wa“) beginnen wie „Guachinche“ (spezielle Art von günstigem Restaurant mit lokaler Küche) stammen wohl von den Guanchen.

Besonders interessant finde ich die Bezeichnung für Bus. Im Spanischen heißt dieser einfach autobús oder bus. Auf den Kanaren ist die offizielle Bezeichnung, die sogar an Busbanhöfen angeschrieben ist „Guagua“ (wawa). Dieses Wort ist ebenfalls in Südamerika verbreitet. Wobei es in der Andenregion umgangssprachlich „Baby“ oder „kleines Kind“ bedeutet und in anderen Ländern und Inselstaaten ebenfalls Bus.

Eine weitere Besonderheit ist, dass auf den Kanaren die Höflichkeitsformel „usted“ oder „ustedes“ viel geläufiger ist, als auf dem Festland. Als Verabschiedung wird außerdem oft nicht das spanische „Adiós“, sondern das Italienische „Ciao“ verwendet und das nicht nur unter Freunden sondern zum Beispiel auch im Restaurant.

Wer etwas länger auf den Inseln bleibt der merkt schnell, dass man sich an diese Eigenheiten gewöhnt. Während eines kurzen Urlaubs kann man meistens immer noch auf Englisch und in Touristenorten oftmals auch auf Deutsch zurückgreifen.