Unter dem Drachenbaum

Unterhalb des Berges Tricias mit seinen 1209 Metern befindet sich der gleichnamige Ort Las Tricias, wo dieser kleine Ausflug in ein anderes Jahrhundert beginnt. Bereits die Fahrt von Los Llanos zum Ausgangspunkt der kleinen Wanderung wird zu einer Zeitreise, denn genau sie ist es – die Zeit, die hier noch nicht das Mass aller Dinge ist. Die Tiere laufen ungestört auf den Strassen umher, kein Auto weit und breit. Nur ab und an verirrt sich ein Leihwagen mit Wandersleuten in diese märchenhafte Region.

Die uralten Drachenbäume sind hier Dreh- und Angelpunkt und haben schon den Schriftsteller Horst Uden scheinbar so sehr fasziniert, dass er seinen kanarischen Legenden den Namen „Unter dem Drachenbaum“ gab.

Kleine Wanderung von Las Tricias zu den Cuevas de Buracas

Riesige Drachenbäume verzaubern beim Blick auf den Atlantik

Gleich am Ortseingang von Las Tricias trifft man auf die Kirche am Dorfplatz, wo die Wanderung beginnt. Gleich neben der Kirche zweigt der ausgeschilderte Wanderweg ab, der zunächst als schmaler Pfad durch üppige Orangengärten und einzelne Wohnhäuser führt. Nur wenig später gelangt man wieder an die asphaltierte Strasse. Ihr folgt man ein kurzes Stück, bis der Wanderweg erneut nach links abzweigt. Nun geht es gemütlich auf einem kopfsteingepflasterten Pfad weiter abwärts. Immer wieder zeigen sich bereits kleinere und grössere Exemplare der Drachenbäume.

Nach ca. einer halben Stunde führt der Weg links an einer sehr gut erhaltenen Gofiomühle auf einem kleinen Hügel vorbei. Weiter auf dem Fahrweg geht es in den kleinen Barranco bis sich kurz darauf der Weg verzweigt. Hier hält man sich rechts und taucht nun komplett in die Welt der Drachenbäume ein. An der nächsten Verzweigung kurz rechts und gleich darauf wieder links geht es nun direkt zu den Cuevas de Buracas, wo sich auch die typischen Petrogryphen der Ureinwohner finden lassen. Zurück gelangt man auf dem selben Wege.

Die Geschichte der Drachenbäume

Alte Gofiomühle in Las Tricias

Der Dracaena draco zählt aller Wahrscheinlichkeit nach zu den Liliengewächsen. Die Wissenschaftler sind sich in diesem Punkt nicht so ganz einig und es besteht auch die Möglichkeit, dass der Drago zur den Agavengewächsen gehört. Die Zugehörigkeit ist nicht das einzige Rätsel, welcher der beeindruckende „Baum“ aufgibt, denn auch sein Alter kann nur sehr waage geschätzt werden. Sein Stamm weist keine Jahresringe auf, welche zur Bestimmung des Alters notwendig sind. So werden die grossen Exemplare heute auf ca. 200- 300 Jahre geschätzt. Der älteste Drachenbaum steht übrigens in Icod de Los Vinos auf Teneriffa und soll an die 400 Jahre alt sein.

Für die Benahoaritas, die Ureinwohner von La Palma, waren die Drachenbäume heilig und standen für Fruchtbarkeit und Weisheit. Den Saft, der sich an der Luft rot färbt, benutzten die Altkanarier zum Färben von Stoffen und Keramik, ebenso zum mumifizieren ihrer Leichen.

Nach der Eroberung durch die Spanier verschwand der Drachenbaum durch die radikale Abholzung fast vollstänig aus dem Landschaftsbild. Nur wenige Exemplare, welche sich an den schwer zugänglichen Hängen der Barrancos befanden, überlebten. Heute steht der Drachenbaum unter Naturschutz und darf nicht exportiert werden! Wenn sie also auf dem Weg zu den Cuevas zum Verkauf angebotene, kleine Exemplare finden, halten sie sich besser zurück. Lediglich die Samen der Drachenbäume dürfen ausgeführt werden. Es ist allerdings sehr schwierig und man braucht einen sehr „grünen Daumen“, um daraus eine Pflanze zu ziehen.

Auf die erste Blüte der Dragos wartet man 10 bis 15 Jahre und auch danach blüht er nur alle 4 bis 5 Jahre. Schneidet man ihm einen Zweig ab, so entwickelt er an dieser Stelle zwei weitere Zweige, was ihm wohl auch seinen Namen eingebracht hat.

Die heilende Wirkung

Kleine Exemplare des Dragos zieren die Häuser

In früheren Zeiten verwendeten die Menschen den getrockneten Saft , das „Drachenblut“ als Heil- und Zaubermittel bei verschiedenen Beschwerden. Man sprach ihm eine besondere Wirkung bei Zahnfleischentzündungen zu. Sogar Alexander von Humboldt schrieb darüber. Der Aufguss seiner orange-rötlichfarbenen Beeren soll bei Erkältungen helfen.

Heute wird dem Drachenbaum eine entgiftende Wirkung zugeschrieben. Er soll im Stande sein, Schadstoffe aus der Luft zu filtern, unter anderem „Trichlorethylen“. Dieser Stoff wird sowohl in der Grossindustrie als auch in privaten Haushalten verwendet, so zum Beispiel in verschiedenen Putzmitteln, Insektiziden, Imprägnierungsmitteln und zur Desinfektion. Trichloethylen wirkt in höheren Dosierungen schädigend auf die Nieren und ist Krebs fördernd. Es wird ebenfalls in Zusammenhang mit Parkinson gebracht.

One thought on “Unter dem Drachenbaum

  1. Der Draco ist eine wunderbare Pflanze. Hoffentlich können wir ihn für die Nachwelt erhalten.

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