Wandern auf Hierro – Wildromantische Tour über die Meseta de Nisdafe an der Abbruchkante des Golftales

Der Mirador des César Manrique
Unsere heutige Tour führt uns auf El Hierro von dem kunstvoll angelegten Aussichtspunkt Mirador de La Peña über grüne Weideflächen zum kleinen Ort San Andrés. Von dort geht es zum Mirador de Jinama und danach auf einem faszinierenden Höhenweg unmittelbar an der Abbruchkante zum Golftal wieder zurück nach Guarazoca. Das zentrale Hochland von El Hierro, die Meseta de Nisdafe, bietet mit ihren großen Acker- und Weideflächen und den saftigen Wiesen ein landschaftliches Bild, das eher an Irland als an eine kanarische Insel denken lässt. Unendliche grüne Weidelandschaften umfasst von langen Steinmauern, durch die wir heute hindurch wandern werden.

Mirador de La Pena

Unser Startpunkt ist der Mirador de La Peña. Und gleich am Anfang unserer Rute wartet bereits das erste Highlight auf uns. Der Mirador de la Peña bietet nicht nur eine unvergleichliche Aussicht auf das gesamte Tal von El Golfo, das sich vor uns ausbreitet. Die Aussichtsplattform samt Restaurant wurde von dem bekannten Architekten César Manrique im Jahr 1989 gebaut und angelegt. Auch hier am Mirador de La Peña hat César Manrique Felsen, Steine, Lava und einheimische Pflanzen zu einem  harmonischen Kunstwerk vereint. Im Mittelpunkt steht ein Restaurant aus Naturmaterialien, von dessen Terrassen der Gast über die Steilküste bis weit auf den Atlantik schauen kann. Ein Besuch dieses einzigartig gelegenen Miradors lohnt sich für jeden Besucher von El Hierro.

El Golfo – das Golftal

Ein Wanderweg, der vom Mirador quer durch den Steilhang hinab nach Las Puntas in das Golftal führt (Camino de La Peña), ist seit Jahren wegen Steinschlaggefahr und Erdabsackungen leider gesperrt. Doch zurzeit wird der Weg gerade wieder instandgesetzt, so dass er im nächsten Jahr möglicherweise wieder begehbar sein wird (Stand April 2014).

Durch grüne Weidelandschaften nach San Andrés

Wir folgen vom Mirador de La Peña zunächst dem weiß gelb markierten Wanderweg PR-EH 6, der nach kurzer Zeit in den Wanderweg PR-EH 8 Richtung San Andrés übergeht. Vom Mirador geht es zunächst ein Stück auf der Straße Richtung Guarazoca zurück. Nach wenigen Minuten zweigt rechts der Wanderweg, der uns zunächst immer in Küstennähe Richtung Süden führt, ab.

Ermita de la Pena

Wir wandern zwischen Feldern und angelegten Gärten leicht bergauf und passieren nach kurzer Zeit die Ermita de La Peña. Von hier können wir noch nochmals die Aussicht auf das Golftal genießen. Nach der Ermita führt die Straße weiter bergauf und verflacht sich dann. Der Wanderweg geht in einen Fahrweg über, von dem wir nach kurzer Zeit links abbiegen. Eine Viertelstunde geht es weiter nur leicht bergan. Unser Weg wendet sich vor einer hohen Steinmauer nach links. Wir kreuzen die Straße nach Guarazoca – Jinama und folgen dem breiten Feldweg weiter durch Wiesen und Felder.

Wanderweg durch grüne Wiesen

Es geht weiter leicht, aber stetig mit Blick auf die Nachbarinsel La Palma bergan. Wir gelangen an eine Weggabelung, an der uns unser Wanderweg Richtung San Andrés zwischen Steinmauern weiter rechts bergauf führt. Nach kurzer Zeit gelangen wir an eine Barrancorinne, die wir von rechts nach links überqueren. Unser Weg führt uns auf der anderen Seite weiter und mündet nach kurzer Zeit in einen Fahrweg ein. Der Fahrweg führt uns auf eine Pistenstraße, die unmittelbar nach San Andrés führt. Auf dem Weg Richtung San Andrés kreuzen wir kurz vor dem Ort den Wanderweg der heiligen Jungfrau, den GR 131.

Kirche in San Andrés

San Andrés (1050 Meter) ist der höchstgelegene Ort auf El Hierro. Wenn wir ihn erreichen, sind wir bereits 2 Stunden gewandert und haben dabei 400 Höhenmeter bewältigt. Im kleinen Ort lohnt sich ein Rundgang über die Plaza oder eine Rast in einer der kleinen Bars.

Über Felsstufen durch terrassierte Felder zum Mirador de Jinama

Dann geht es auf unserem Wanderweg PR-EH 8 weiter in Richtung Mirador Jinama. An der Stelle, an der wir auf die ersten Häuser des Ortes getroffen sind, als wir San Andrés erreichten, biegt unser Wanderweg nun scharf rechts ab. Kurze Zeit hinter San Andrés trifft der Weg wieder auf den bekannten Wanderweg der Virgin GR 131. Dem folgen wir wenigen Meter nach links und biegen dann mit unserem gelb weiß markierten Weg PR-EH 8 rechts ab. Dieser führt uns nun durch terrassierte Felder zwischen Steinmauern und über Felsstufen höher und höher. Auf den grünen Weiden geht es vorbei an Kuh- und Ziegenherden.

Steinmauern säumen den Weg

Nach einer halben Stunde Wanderung gelangen wir auf eine kleine Straße (HI-120), die uns links herum in einigen Minuten zum Mirador de Jinama führt. Hier auf 1240 Meter Höhe liegen eine kleine Kapelle und ein hübsch angelegter Picknickplatz. Eine Rast bietet sich geradezu an und wir genießen dabei die Aussicht auf weite Tal El Golfo und die steile Südabbruchkante.

Camina de Jinama

Wer mag, der kann dem Wanderweg PR-EH 8 (Camino Jinama), der nun steil vom Mirador de Jinama nach Frontera quer durch den Steilhang herunter führt, weiter folgen und einen Abstieg mit fantastischen Ausblicken genießen.

Mirador de Jinama

Über dem Golftal und den Wolken entlang der Steilküste

Wir aber wandern vom Mirador de Jinama zurück zum Mirador de la Peña. Dabei verläuft der Weg immer entlang der Steilküste. Da die Abbruchkante teilweise unterhöhlt ist, wird dringend davor gewarnt, zu dicht an diese heran zu treten. Auch gibt es auf dem Weg überall tiefe Erdlöcher, so dass jeder Schritt sorgfältig gesetzt werden sollte.

Über den Wolken – an der Abbruchkante zum Golftal

Zunächst gehen wir auf der Straße ein wenig zurück. Bereits nach wenigen Metern zweigt der gut ausgeschilderte Wanderweg links ab. Wir wandern zunächst auf einem breiten Weg immer parallel zur Abbruchkante und genießen dabei wunderschöne Ausblicke auf die Hochfläche der Meseta de Nisdafe und auf das Golftal. Nach einiger Zeit setzt sich unser Weg als Pfad hinter einer Steinmauer fort und führt uns auf eine kleine Anhöhe, auf der eine Vermessungssäule steht.

Meseta de Nisdafe

Von hier wandern wir auf einem nur schwach zu erkennenden Pfad. Dieser führt uns durch Mauern und teilweise auch über Mauern hinweg zu der unter uns liegenden linken Ecke der Steilküste. Von diesem Mirador de Izique haben wir noch einmal einen absolut großartigen Ausblick (wenn keine Wolken über dem Golftal schweben). Von hier geht es nun auf einem schmalen Pfad immer entlang der Steilküste weiter abwärts. Ab und zu müssen wir über die Steinmauern klettern, um auf der rechten Seite der Mauer sicher weiter gehen zu können.

Mit Blick auf die Nachbarinsel La Palma geht es an der Steilküste entlang

Nachdem wir ungefähr eine halbe Stunde vom Mirador de Jinama entfernt sind, zweigt ein Weg zwischen Mauern rechts ab.  Er führt nach einiger Zeit wieder auf die HI-120 und bringt den Wanderer auf Wunsch zurück an den Mirador (Variante Kleine Mirador Tour). Wir aber gehen geradeaus immer parallel der Abbruchkante auf dem Pfad mal rechts mal links der Mauer weiter. Der Pfad führt an einer weiteren Vermessungssäule vorbei und wir verlieren weiter an Höhe.

Nachdem wir ungefähr 1,5 Stunden vom Mirador de Jinama gewandert sind, verläuft der Pfad noch einmal sehr eng an der Steilküste entlang und windet sich für kurze Zeit in schmalen Serpentinen abwärts. Dann zweigt ein Camino, der mit Steinmauern eingefasst ist, rechts von der Steilküste ab. Dieser führt nach kurzer Zeit zurück auf unseren gelb weiß markierten Wanderweg PR EH 8, der uns links herum in ca. 15 Minuten zu unserem Ausgangspunkt, dem Mirador de La Peña nach Guarazoca zurückbringt.

Hausgemachter Ziegenkäse – Finca La Paz in Guarazoca

In dem kleinen Gebirgsort Guarazoca lohnt sich noch ein kleiner Abstecher zu der an der Hauptstraße liegenden Finca la Paz. Hier gibt es neben angenehmen Ferienwohnungen täglich frisch hergestellten Ziegenkäse aus hauseigener Produktion zu erwerben.

Informationen:

Höhenunterschied: ungefähr  600 Meter im Ab- und Aufstieg vom Ausgangspunkt dem Mirador de la Peña über San Andrés, dem Mirador de Jinama und zurück. Doch durch Ab- und Aufstiege sind auf der gesamten Tour ca. 730 Höhenmeter zu bewältigen.

Anforderung: Es handelt sich um eine einfache bis mittelschwere rund 16 Kilometer lange Tour.  Die Wanderroute verläuft zumeist über sehr gut ausgezeichnete Wanderwege.  Erst der letzte Teil der Wanderung vom Mirador de Jinama zurück zum Mirador de La Peña führt unmittelbar an der Abbruchkante auf den Steilklippen hoch über dem Tal El Golfo entlang. Hier geht es teilweise auf schmalen Wegen recht dicht am Abgrund entlang, so dass Schwindelfreiheit und Trittsicherheit für diesen Streckenabschnitt gegeben sein sollten. Da die Abbruchkante teilweise unterhöhlt ist, auf keinen Fall zu dicht an den Rand heran treten. Auch weist der Weg auf diesem letzten Streckenabschnitt häufig tiefe Erdlöcher auf. Daher ist äußerste Vorsicht geboten.

Wer diesen wunderschönen, aber auch schwindelerregenden Abschnitt vermeiden möchte, für den gibt es Alternativen (siehe unter Hinweise).
Startpunkt: Mirador de La Peña. Anreise mit dem Pkw über die HI-5 von La Frontera oder Villa de Valverde über die HI-10 nach Guarazoca. Der Mirador de La Peña liegt hinter dem Ort an der Steilküste. Dort kann auch das Fahrzeug abgestellt werden. Wer nicht mit dem Wagen anreisen möchte, nimmt die Buslinie 5 von Vila de Valverde nach Guarazoca.

Wer nur einen kleineren Weg auf der Meseta de Nisdafe laufen oder die Tour teilen möchte, der kann auch mit dem eigenen Fahrzeug oder mit dem Bus (Linie 2 Vila de Valverde – El Pinar) nach San Andrés fahren und die Tour dort starten. Wenn man mit dem Fahrzeug unterwegs ist, kann die Tour alternativ am Parkplatz des Mirador de Jinama beginnen.

Zeit: Die reine Wanderzeit für die Rundtour beträgt knappe 6 Stunden.

Hinweise: Da die Wanderung uns bis auf 1200 Höhenmeter herauf führt, kann es schon mal kalt oder feucht werden. Auch Nebel und Wolken sind häufig in den Höhenlagen der Meseta de Nisdafe anzutreffen. Daher entsprechende Kleidung mitnehmen und sich über das Wetter informieren. Wer von der Abbruchkante einen guten Blick genießen möchte, der sollte auf sonniges wolkenfreies Wetter achten. Wer die Tour teilen möchte, hat folgende Möglichkeiten:
Landschaftlich schöne Tour über das grüne Hochland, die je nach Richtung als Bergauf Tour oder Bergab Tour möglich ist: Mirador de la Peña – St. Andres – Mirador de Jinama.

Atemberaubend am Rand der Abbruchkante: Mirador de Jinama – Mirador de La Peña oder umgekehrt oder auch Abstiegstour vom Mirador de Jinama nach Frontera.

Kleine Runde in luftiger Höhe: Vom Mirador de Jinama in Richtung Mirador de La Peña wandern. Jedoch nach einem Drittel der Tour rechts abbiegen. Ein Rundweg, der zunächst über einen mit Steinmauern gesäumten Camino und dann über die HI-120 verläuft, führt zum Mirador de Jinama zurück.

Artikel von Dagmar