Weißer Karneval auf La Palma

„Jeder Jeck is anners“ sagen die Kölner. Die palmerischen „Jecken“ sind in der Tat anders. Die Kanarischen Inseln gelten als Hochburg der spanischen Karnevalskultur und die Insel La Palma bietet darunter ein ganz besonderes Spektakel. Seit Wochen fiebern die Liebhaber des hiesigen Karnevals dem größten Festtag entgegen, dem Dia de los Indianos. Das ist der Rosenmontag und der Tag, an dem man die Rückkehr der einst nach Amerika ausgewanderten Landsleute feiert. An diesem Tag taucht die Hauptstadt Santa Cruz in ein dickes Nebelbad aus weißem Pulver ein. Viele Tausend Menschen strömen von nah und fern auf die Insel, um dieses besondere Spektakel mitzuerleben.

Das bunte Festprogramm des Karneval auf La Palma beginnt bereits Ende Februar, am Freitag vor Aschermittwoch. In diesem Jahr fällt der Startschuss für die närrischen Tage also am 28. Februar und endet am 9. März, also am darauffolgenden Sonntag mit dem Begräbnis der Sardine.

Während dieser Tage finden zahlreiche Veranstaltungen wie Kinderfasching, traditionelle Straßenfeste und nächtlicher Tanz statt und das nicht nur in der Hauptstadt.

Das Motto des diesjährigen Karneval in Santa Cruz ließen die Kulturbeauftragten über das soziale Netzwerk Facebook wählen und so entschied die Gemeinschaft, in diesem Jahr Schrecken in der Hauptstadt zu verbreiten, denn als Motto wurde „Terror“ gewählt. So werden ab Ende Februar also gruselige Phantasiegestalten durch die Straßen ziehen, die lediglich am 3. März, zum Dia de los Indianos eine Pause verordnet bekommen. Das Motto des Karneval 2014 in Los Llanos de Aridane wird übrigens „Magie“ sein.

Der Rosenmontag ist jedoch der Tag, an dem sich die ganze Insel im Ausnahmezustand befindet. Der Dia de los Indianos ist der Tag, an dem die Rückkehr der Emigranten aus Übersee in einer skurrilen Ulk-Prozession gefeiert wird.

„Indianer“ nennen sie sie spöttisch und imitieren die reichen Heimkehrer mit Pappkoffern bestückt, aus denen massenhaft (Papier)Geld quillt.

Info: Auch in diesem Jahr wird wieder ein Falschgeld-Wettbewerb veranstaltet. Auf der Website www.losindianos.es/billete2014 gibt es weitere Informationen zur Teilnahme, die noch bis zum 20. Februar möglich ist. Verlost werden unter anderem Puderdosen und Gutscheine für ein Abendessen. Ebenfalls kann man sich auf der genannten Seite die Billetes aus dem vergangenen Jahr ansehen, von denen eines auch ein Bild der Frau Merkel ziert.

Die Ankunft der reichen Heimkehrer aus Übersee

„Ganz in Weiß“ lautet das Motto am Rosenmontag

Bereits am frühen Vormittag wartet die feine Gesellschaft der Feier-freudigen im Hafen von Santa Cruz auf die Ankunft der Heimkehrer. Herren in Leinenanzug, Hut und Zigarre im Mundwinkel, Damen in edlen Kleidern und mit Spitzen verzierten Sonnenschirmen und Spitzenhandschuhen und fein herausgeputzten Kindern im Matrosenlook.

Jeder trägt an diesem Tag weiß oder beige und das aus gutem Grund, denn endlich kommen die unzähligen Baby-Puderdosen zum Einsatz, die schon Tage und Wochen vorher in allen Supermärkten in Kilo schweren Säcken angeboten wurden. Die Feiernden bewerfen sich nämlich ausgiebig mit weißem Talkum oder Puder. Wer es wagt, in farbiger Kleidung aufzukreuzen, wird gnadenlos gepudert, bis auch er der Kleidernorm entspricht. Spätestens am Nachmittag hüllt sich Santa Cruz de La Palma dann in eine dicke, weiße Puderwolke.

In Begleitung üppig wogender, schwarz angemalter Dienstmädchen, den sogenannten Negra Tomasa schleppen sie ihren demonstrativen Reichtum durch die Stadt. Begleitet von karibischen Klängen setzt sich ein munterer Zug durch die Calle O´Daly und die Perez de Brito in Bewegung, um Stunden später an der Plaza Alameda anzukommen. Es wird getanzt, gelacht, gepudert und gefeiert in der Stadt bis zum Morgengrauen, wenn dann irgendwann die Stadtreinigung die Spuren der Nacht beseitigt.

Die Beerdigung der Sardine und das Ende der Karnevalszeit


Anders als in Deutschland ist der Karneval nicht schon am Aschermittwoch wieder vorbei, sondern endet mit großem Tamtam und einer schrillen Zeremonie am darauffolgenden Samstag.

Während man beispielsweise im mexikanischen Veracruz gleich zu Beginn des Karnevals die schlechte Laune verbrennt und beerdigt, ist es auf La Palma die Sardine im Entierro de la Sardina, die ihr jähes Ende in den Flammen findet, allerdings hier am Ende der Festtage.

Dabei handelt es sich um einen riesigen knallbunten Pappmaché-Fisch, liebevoll in wochenlanger Handarbeit hergestellt. Ein lustiger Trauerzug von schwarz gekleideten Menschen begleitet die Sardine – vor allem in der Gemeinde Barlovento herrlich anzuschauen – zum Festplatz, an dem sie unter lautem Klagen angezündet und abgefackelt wird. Zum Schluss donnert noch ein großes Feuerwerk über dem Städtchen und dann ist auch auf La Palma alles vorbei. Bis zum nächsten Jahr.

Die Verbrennung der Sardine ist eigentlich das offizielle Ende des Karnevals, doch da nimmt man es hier nicht so genau, den die einzelnen Gemeinden zelebrieren ihr Sardinenbegräbnis an verschiedenen Tagen.

Zum geschichtlichen Hintergrund

Spätestens am Nachmittag taucht die Stadt in eine dicke Puderwolke ein

Umzüge, Masken, Musik und Verkleidungen spielen seit je her eine wesentliche Rolle und versetzen die Städte und Dörfer allerorts in einen wahren Ausnahmezustand. Charakteristisches Merkmal des Karnevals ist das Gleichheitsprinzip während der ausgelassenen Feste.

Aufzeichnungen aus dem 17. Jahrhundert lassen darauf schließen, dass bereits zu dieser Zeit am Rosenmontag auf La Palma gepulvert wurde, allerdings zur damaligen Zeit noch mit Mehl. Das Pulvern wurde den Menschen über die Jahrhunderte immer und immer wieder untersagt, ist nun aber seit den 80er Jahren fester Bestandteil des palmerischen Karneval und wurde sogar ganz offiziell ins Karnevalsprogramm aufgenommen. Doch was hat es mit den typischen Verkleidungen und den Negra Tomasa auf sich?

Wohlhabende Einwohner

Vor ungefähr 300 Jahren befand sich die Insel La Palma in einer wirtschaftlich sehr schlechten Lage. Die großen Schiffe, welche für gewöhnlich auf ihrem Weg nach Amerika hier noch einmal Halt machten, blieben aus. Der Export von Wein, Zuckerrohr, Bananen und dem Koschenille-Farbstoff liefen schlecht. So wanderte über Generationen gut ein Drittel der Bevölkerung nach Amerika aus, um dort Arbeit zu finden und so die Familie aus der Ferne zu ernähren. Vor allem die Karibik, Kuba und Venezuela waren die Ziele der Emigranten. Viele von ihnen fanden ihr Glück und kamen Jahre später mit den Taschen voller Geld zurück nach La Palma. Der karibische Einfluss ist bis Heute sichtbar. Die Ausgewanderten kehrten als wohlhabende Gesellschaft mit ihren neuen Familien und gut genährten farbigen Dienstmädchen, den Negra Tomasa, zurück auf die Insel.

Anfang der 1960er Jahre begannen zwei Palmeros damit, die Indianos, wie die reichen Rückkehrer genannt wurden, zu parodieren. Yolanda Cabrera und Alfredo Pérez de Brito fanden im Laufe der Jahre immer mehr Anhänger und so entwickelte sich die bis Heute bestehende Tradition.

Anreise von nah und fern

Schwarz angemahlte „Mammies“ gehören zum typischen Karnevalsbild auf La Palma

Zum Rosenmontag strömen an die 50.000 Menschen nach La Palma. Um allen Karnevalisten gerecht zu werden, hat die Fluggesellschaft Binter Canarias ihr Kontingent zusätzlich auf fast 7000 Plätze erhöht. Auch die Reederei Fred Olsen setzt zur Karnevalszeit mehr Fähren für die Verbindung Teneriffa-La Palma ein.

Da das Parken im Großraum Santa Cruz am Rosenmontag nicht möglich ist, bietet es sich an, per Bus anzureisen. Die Busse fahren im 15-Minuten-Takt. In Anbetracht des feinen Puders ist es zudem wohl eh gescheiter, das Auto daheim zu lassen.